Fütterung von Straßenhunden, on Tour mit Genny

Bei einem Besuch bei Daniela, um Fotos von ihrem Pflegehund Pulcina zu machen, treffen wir auf Genny, eine sehr engagierte Tierschützerin. Zweimal, manchmal sogar dreimal wöchentlich fährt sie ihre 28 km lange Tour zur Versorgung „ihrer“ Straßenhunde. Um ausreichend Futter für die Hunde zu haben, klappert sie vorher etliche Bäcker, Supermärkte und Restaurants ab, wo sie dann Brote und Essensreste einsammelt. Dazu benötigt sie noch etwa 15 kg Trockenfutter für jede Tour. 

Genny hat für alle ihre Hunde Vereinbarungen mit unterschiedlichen Anwohnern und Grundbesitzern getroffen, um den Tieren einen trockenen Platz zu verschaffen. Dort wird dann jeweils das Futter deponiert und die Hunde können sich hier bei Regen und Unwetter einigermaßen trocken aufhalten.

Um diese Möglichkeit für die Hunde zu schaffen musste sie schon sehr viel Überzeugungsarbeit bei den eher abgeneigten Menschen leisten. Die Leute hier akzeptieren die Tiere wenn überhaupt nur unter der Bedingung, dass sie keinerlei Arbeit oder Kosten verursachen. Keiner der Hunde ist geimpft oder kastriert. Für Tierarztkosten wird kein Geld ausgegeben. Auch die Gemeinde, die eigentlich für die Kastrationen zuständig wäre, kümmert sich trotz vielfacher Anfragen seitens der Tierschützer nur in seltenen Fällen darum, es gibt immer angeblich dringendere Notfälle.

Wir begleiten Genny auf ihrer etwa zweistündigen Tour, die abseits von befestigten Straßen  und Wohngebieten über größtenteils unwegsames Gelände führt. Der Wagen ist randvoll mit Futter und Wasserkanistern gefüllt. Eigentlich bräuchte man hier einen Jeep, die Stoßdämpfer müssen einiges aushalten. Nachdem wir eine ganze Weile gefahren sind erreichen wir die erste Futterstelle.

Hier lebt auf einem riesigen Firmengelände eine Maremmano-Mix-Hündin mit ihren 6 Welpen, die etwa 8 Wochen alt sind. Für diese Hündin hatte Genny bereits erstmals vor mehr als einem Jahr bei der Gemeinde um Durchführung einer Sterilisation gebeten. Bisher wurde es immer abgelehnt, die Hündin hat jetzt bereits zum 2. Mal Nachwuchs bekommen.

Ebenfalls auf diesem Grundstück aber durch ein umzäuntes Gehege isoliert, lebt eine abgemagerte, an Leishmaniose erkrankte Schäferhündin. Für die Hunde befinden sich auf dem weitläufigen Grundstück Hundehäuser aus Stein, so dass sie hier trockene und geschützte Schlafplätze haben. Für das Futter ist Genny alleine zuständig. Der Inhaber ist bereit, die männlichen Welpen auf dem Grundstück zu behalten, für die weiblichen Tiere muss bald eine andere Lösung gefunden werden. Die Schäferhündin muss dringend tierärztlich versorgt werden. 

Kurz bevor wir weiterfahren kommt noch ein weiterer Hund hinzu, Pinotto. Die Freude ist groß, man kennt sich. Pinotto ist ebenfalls sehr abgemagert, nimmt aber kein Futter an. Auch er müsste ganz dringend vom Tierarzt untersucht und behandelt werden.

Pinotto (2)

An der zweiten Futterstelle kommen uns schon die Mischlingshündin Cuccalotta und die beiden Maremmano-Hunde Sarah und Noah freudig entgegen. Hier hat Genny auf einem Privatgrundstück für die Hunde eine Art Garage organisiert, wo ausreichend Futter für 2-3 Tage und 2 Eimer Wasser deponiert werden.

Insbesondere Cuccalotta fordert noch ausgiebig ihre Streicheleinheiten ein. Alle drei Hunde machen einen sehr guten und ausgeglichenen Eindruck. Sarah ist etwas zurückhaltender uns gegenüber. Aber sie wirkt nicht übertrieben ängstlich. Die Hunde sind hier offensichtlich gut aufgehoben und genießen ihre Freiheit.

Dann geht es weiter zur dritten Futterstelle. Hier baut ein Mann alleine an seinem Haus. Genny erzählt uns, dass er kaum ausreichend Geld für sich selbst zur Verfügung hat. Aber er erlaubt es, dass zwei Hunde auf seinem Grundstück leben, er versorgt sie mit Wasser und lässt sie auch schon mal nachts im Haus schlafen. Hier treffen wir auf Gianni und Pinotto, den wir ja bereits an der ersten Futterstelle kennen gelernt haben. Auch der Mann sorgt sich um Pinotto´s Gesundheit, ein Tierarzt ist jedoch unbezahlbar.

Nachdem Genny nun auch hier Futter hinterlassen hat geht es weiter zur vierten und letzten Futterstelle. Einen ganzen Teil der Strecke begleitet uns hier schon Asia, die uns den Weg zu ihrem Futterplatz weist. Die übrigen Hunde, die hier mitversorgt werden sind nicht zu sehen. Sie sind anscheinend unterwegs. Asia genießt ihren alleinigen Auftritt und lässt sich von allen Seiten knuddeln. Das Futter ist ihr jetzt gar nicht so wichtig. Nachdem sie sich dann endlich beruhigt hat, zieht sie mit einem Pizzabrötchen davon.

Auch hier gibt es eine Art Gebäude, wo das Futter und Wasser in ausreichender Menge hinterlassen wird und wo die Hunde Schutz finden können. 

Auf dem Rückweg halten wir dann noch  mal an, um Marco, Gio und Chiara zu besuchen. Diese drei Hunde leben in der Nähe einer Wohnsiedlung und werden dort von einer Frau versorgt. Sie hat den Hunden mit Hilfe ihres Mannes einen Unterschlupf gebaut auf einem riesigen Gelände und versorgt die Tiere mit Futter und Wasser. Ein Schild bittet u.a. davon abzusehen, die Hunde mit Hühnerknochen zu füttern. Die beiden Rüden Marco und Gio sind sehr zutraulich und freuen sich über die Abwechslung. Die Hündin Chiara läßt sich jedoch nicht aus ihrem Unterschlupf locken. Genny befürchtet, dass sie krank ist. Sie wird das im Auge behalten. Zwei unkastrierte Rüden und eine Hündin – hoffentlich ist hier nicht schon wieder Nachwuchs unterwegs.

Die von Genny geleistete Tierschutzarbeit hat uns sehr beeindruckt. Die Hunde bleiben auf der Straße, sie behalten ihre Freiheit, werden aber regelmäßig und zuverlässig versorgt. Sie haben einen trockenen Unterschlupf, haben menschliche Zuneigung und die Akzeptanz der Leute, denen die  Tiere nicht so sehr am Herzen liegen. Was fehlt ist die tierärztliche Versorgung. Wir würden diese Arbeit gerne unterstützen, Kastrationen finanzieren, tierärztliche Behandlungen und Impfungen ermöglichen und Genny bei der Finanzierung des Futters helfen.

Schreibe einen Kommentar